Veränderung gelingt nur mit denen, die sie tragen.

Der Beschluss steht. Ein Jahr später ist das Vorhaben am selben Punkt.

Warum Veränderungen scheitern

Der teuerste Satz in jedem Transformationsprozess lautet:

„Na gut, wenn ihr sagt, dass wir das so machen sollen, dann machen wir es eben so.“

Dieser Satz ist der Todesstoß für jedes Transformationsprojekt.


Die Idee, das Konzept und der Plan können noch so gut sein: Wenn die betroffenen Stakeholder offen oder verdeckt dagegen opponieren, ist das schlimmer als jeder Sand im Getriebe.

Er klingt nach Zustimmung. Er ist eine Kapitulation. Was danach passiert, ist exakt das, was angeordnet wurde. Kein Gramm mehr. Keine Idee, kein Mitdenken, kein Hinweis, wenn es gegen die Wand läuft. Das ist Dienst nach Vorschrift, und er ist teurer als jeder offene Widerstand, weil Sie ihn nicht sehen. In keinem Report, in keinem Statusbericht. Sie merken es erst, wenn Sie ein Jahr weiter sind und immer noch am selben Punkt stehen.

In komplexen Multistakeholder-Konstellationen scheitern Innovations- und Veränderungsvorhaben selten an einer schlechten Grundidee oder am Lösungskonzept. Sie scheitern am Sand im Getriebe. Wenn die betroffenen Stakeholder das Vorhaben ablehnen oder auch nur nicht ausreichend unterstützen, wird eine Innovation nie so gut, wie sie sein könnte. Und eine Transformation erreicht ihre Ziele gar nicht, unvollständig, viel zu spät, oder alles zusammen.

Die Diagnose

Eine Absicht sagt, wohin es geht. Ein Zielbild sagt jedem Einzelnen, wer er darin ist.

Warum sagen Menschen diesen Satz? Sie sagen ihn, wenn man ihnen gesagt hat, wohin es geht, und dabei vergessen hat, ihnen zu sagen, wer sie da drin sind.

Fast jede Organisation, die ich begleite, hat einen Beschluss. Wir werden digitaler. Wir werden unabhängiger. Wir werden nachhaltiger. Kluge Beschlüsse, gut begründet, die Führung steht dahinter. Und die Führung ist überzeugt, sie hätte damit ein Zielbild. Sie hat eine Absicht.

Ein Zielbild ist erst dann fertig, wenn die Kollegin aus der Disposition, die seit zweiundzwanzig Jahren dabei ist, ihre eigene Rolle darin erkennt. Als Gewinn. Für die Firma und für sich selbst. Solange das fehlt, bekommen Sie Nicken. Sie bekommen nur kein Handeln.

1

Erst der Glaube

Die Leute müssen glauben, dass es wirklich geht. Weil sie es erlebt haben. Eine Folie reicht dafür nicht.

2

Dann der Wille

Sie müssen es wollen. Das tun sie, wenn sie ihren Platz sehen und der sich lohnt.

3

Dann erst die Handlung

Jetzt wird gebaut. Im echten Betrieb, mit sichtbaren Ergebnissen.

Die meisten Programme beginnen bei Schritt drei.

Maßnahmenplan, Roadmap, Rollout. Ohne Glaube und ohne Wille ist das reiner Druck. Und Druck erzeugt genau den Satz vom Anfang.

Der umgekehrte Fehler fällt seltener auf.

Ein großartiger Workshop, echte Begeisterung, alle gehen beschwingt raus. Und am Montag ist wieder Alltag. Zustimmung ohne Struktur bleibt Stimmung.

Mein Ansatz

Aus Betroffenen einer Veränderung Architekten ihrer eigenen Zukunft machen.

Oder ganz einfach: Wir machen es gemeinsam.

Erleben statt erklären

Die Zukunft wird betretbar gemacht: als Szenario, Zielarchitektur, Artefakt aus der Zukunft, Prototyp, Geschichte. Menschen glauben an das, was sie erlebt haben.

Jeder findet seinen Platz

Ein Zielbild ist erst fertig, wenn alle Beteiligten ihre Rolle darin sehen und als Vorteil empfinden. Für das Ganze und für sich selbst.

Gebaut wird im Alltag

Das Programm verlegt die Arbeit in den Betrieb und macht Fortschritt sichtbar: Leitmetapher, benannte Etappen, Arbeitsergebnisse als Nachweis, dosierte Verbindlichkeit, Peer-Strukturen.

Haltung

Ich komme nicht mit der Lösung. Das Fachwissen liegt in Ihrem Haus.

Meine Arbeit ist der Raum, in dem Ihre Leute die tragfähige Lösung selbst erarbeiten. Das ist Methode, keine Bescheidenheit: Selbst erarbeitete Lösungen werden im Alltag getragen. Verordnete werden verwaltet.

Selbstcheck

Sechs Fragen an Ihr Vorhaben.

Wenn Sie bei zwei Fragen zögern, haben Sie eine Absicht und noch kein Zielbild.

1

Kann eine beliebige Mitarbeiterin in Ihrem Haus in eigenen Worten beschreiben, wie ihr Arbeitsalltag nach der Veränderung konkret aussieht?

2

Erkennt jede betroffene Person ihre eigene Rolle im Vorhaben? Und zwar als Gewinn für sich selbst, nicht nur für die Firma?

3

Haben die Betroffenen die Zukunft schon einmal erlebt? Als Szenario, Prototyp, Geschichte oder greifbares Artefakt. Folien und Townhalls zählen hier nicht.

4

Gibt es benannte Etappen mit sichtbaren Arbeitsergebnissen im laufenden Betrieb, an denen jeder ablesen kann, wo das Vorhaben steht?

5

Wissen Sie, wer zustimmen muss, damit etwas passiert? Und wer es verhindern könnte, ohne dass es jemand merkt?

6

Ist der Satz „Wenn ihr das so wollt, machen wir das so“ in Ihrem Haus in den letzten Monaten gefallen? Oder einer seiner Verwandten: „Machen wir halt.“